Donnerstag, 20. Januar 2011
Logbucheintrag, 19.01.2011: Regenwald
Um 16:30 Uhr erreichen wir die Bucht von St. Pierre. Diese hübsche Kleinstadt hat Geschichte.
Sie liegt am Fuße des Vulkans Mont Pélee. Der Vulkan ist immer noch aktiv !
Am 8. Mai 1902 um 07:50 Uhr zerbarst der Vulkan und gewaltige Massen an Gestein, Lava und Flutwellen begruben die bis dato bedeutendste Metropole der Karibik in Minuten unter sich. 30.000 Menschen fanden an diesem Morgen den Tod. Nur Louis Auguste Cyparis, der wegen Mordes in der Zelle auf seine Hinrichtung wartete, war einer der beiden Überlebenden der Katastrophe. Auch die 16 Schiffe auf Reede, darunter 2 Dampfer und ein Kabelleger, wurden Opfer der Naturgewalt.
Es ist nicht nur der fantastische, hügelige Wald im Hinterland von St. Pierre, der ein echter Regenwald ist, nein, es regnet wirklich alle halbe Stunde: Luken zu, Luken auf...am besten sitzt man in Badehose und Bikini hier ! Warm ists ja !
Morgen ist ein Museumsbesuch geplant, in dem die Naturkatastrophe veranschaulicht ist.
Baden und Relaxen gehört ja schon zum Bordalltag !
Logbucheintrag, 18.01.2011: Gestörte Nachtruhe in Anse d'Arlet
Plötzlich um 5 Uhr morgens slippen wir an unserem Nachbarboot vorbei, von dem uns Ludwig gerade noch abhalten kann. Wie er das nur immer macht - mit einem Ohr immer auf Tuchfühlung mit Snowflake auch im Schlaf...
Esther und Luis waren dann auch ganz schnell wach und laufen an Deck. Es geht sehr schnell und wir sind unfreiwillig frei, da die Wassertiefe hier ganz schnell zunimmt. Es ist gar nicht so einfach sich vom Riff und den vielen Schiffen hier freizuhalten.
Wir kreisen eine Stunde in der Bucht und warten so auf die Morgendämmerung, um bei Sicht wieder einen festen Ankerplatz zu finden.
Gegen 6:30 schaffen wir das auch. Esther holt erst mal eine Mütze Schlaf nach während Ludwig & Luis Ankerwache machen.
Die idyllische Bucht mit ihrem türkisfarbenem Wasser am Riff, die vielen, vielen bunten Fische, Schildkröten, Rochen und Korallen, die entspannte Atmosphäre am Strand laden uns doch zu einem Verweilen eines weiteren Tages und einer Nacht ein. Zeit haben wir ja !
So geniessen wir den Tag in vollen Zügen, hauptsächlich mit dem Kopf unter Wasser und bestaunen die Unterwasserwelt !
Am 18.01. sehen wir gerade bei unserem täglichen Morgenbad das Zollschiff einlaufen ! Oje!!!
Im Notfall müssen wir eine gute Erklärung haben, warum wir 2 Tage und Nächte für die Überfahrt von St. Lucia nach Martinique brauchen (Reisezeit waren ja nur 4 Stunden!). Also doch, alsbald den Anker hoch und in die Hauptstadt Fort de France, zumal unser Kühlschrank auch schon wieder leer ist.
Wir ankern direkt vor der Stadt und fahren mit dem Dinghi mitten ins Getümmel. Was für ein Szenenwechsel: Hupende Autos, Hektik und dicke Luft !
Das Einklarieren läuft modern am PC ab, nur bisschen schwierig ist es, ausgerechnet diesen PC in der Stadt ausfindig zu machen. Sarkozy spart an Beamten im Übersee-Departement und vergibt die Zollformalitäten an private Geschäfte. In diesem Fall dem Yacht-Zubehörladen. Dafür bekommen wir hier subventionierten Rotwein von der Cotes du Rhone, eben zu einem erschwinglichen Preis. Der Supermarkt entspricht europäischem Standard und so kaufen wir ein, was 6 Hände und 3 Rücken eben so schleppen können. Es wird Nacht und wir geniessen auf dem Schiff eine Live-Percussion-Aufführung an der Uferpromenade.
Montag, 17. Januar 2011
Logbucheintrag, 16.01.2011: Geschwindigkeitsrekord von St. Lucia nach Martinique
Einklarieren geht hier nicht, so schmuggeln wir uns morgen früh wenigstens kurz illegal ans Land. Um ein bisschen mit unseren Liebsten zu Hause zu Europapreisen zu telefonieren.
Mittags heissts "Anker los", Kurs auf St.Pierre, die beste zum Absprung geeignete Bucht nach Dominica, wo wir ein paar Tage mit Landausflügen verweilen wollen.
Ursprünglichkeit, Einsamkeit, keine Vessorgung und das letzte "Carib Indianer Reservat" !
Logbucheintrag, 15.01.2011: "Sittin' on the dock of the bay..
Nach nun doch 8 Tagen in der Rodney Bay auf St. Lucia, haben wir es heute immerhin geschafft, die Marina endlich zu verlassen. Auch wenn wir jetzt nur knapp davor ankern.
Irgendwie kamen wir aus der Marina nicht raus: Viele nette, alte Bekanntschaften haben wir hier wieder getroffen. Luis hat einen Freund am Pool kennengelernt und in den Schaukelstühlen an der Pool-Bar (Stefan, Du erinnerst Dich ? ;-)) konnte man die Seele so schön baumeln lassen, besonders zwischen 17 und 19 Uhr. ;-)
Es ist aber auch viel passiert: Der Wartungsstopp hat sich wirklich gelohnt, sogar Snowflakes'Rümpfe glänzen wie neu. Das Echolot funktioniert, auch wenn das unser Bord-Elektriker Ludwig dann gemacht hat. An dem Windmesser sind alle Elektriker dann doch gescheitert. Nicht so schlimm, bisher hat es auch gereicht, die Nase in den Wind zu halten. Die Diesel- und Wassertanks sind randvoll. Das Wetter hat sich beruhigt, somit sind wir bereit für die nächste Etappe nach Norden zu den Leeward-Islands.
Morgen zum Zwischenstopp nach Martinique, dann nach Dominica. Endlich wieder "on tour!".
Mittwoch, 12. Januar 2011
Logbucheintrag 12.01.2011: "Nachtrag der Magers...."
Falls ihr nun noch einen kurzen Nachtrag fürs Logbuch haben wollt, hier unsere Endgeschichte:
Wir haben ein neues Hobby: Wasserfliegen! Was das ist? Ganz einfach. Man nehme ein kleines Boot, montiere 900 PS an dessen Heck, kleide sich (mehr oder weniger) in Friesennerz und fliege mit einer undefinierbaren Geschwindigkeit über 3 Meter hohe Wellen. Was am Anfang noch viel Grinsen auf der Kinder Gesicht warf, wurde mit zunehmendem Speed und größer werdenden Wellen zu einer wilden Salzwassertaufe. Bei fast jeder Welle wurde uns ein 10 Liter Eimer Salzwasser über dem Kopf ausgeschüttet. Der Spaßfaktor wurde für die Kinder von Welle zu Welle geringer, so dass sie am Ende sogar einschliefen, (weil Salz im Auge müde macht) bis ein gewaltiger Sprung über eine extragroße Welle sie wieder aus dem Reich der Träume zurückholte. Es war schlicht und einfach der Wahnsinn, aber sehr zu empfehlen! Das Taxi wartete dann schon auf uns in einer nicht bekannten kleinen Bucht und brachte uns schnell an den Flughafen, so dass wir immerhin noch 65 Minuten zum einchecken hatten. Die 300 Personen vor uns am Schalter allerdings ließen Moni nach 45 Minuten und gewonnenen 3 Metern in der Reihe so verzweifeln, dass sie zum Buissinessschalter ging, um dort mit vorgeschobenen "kranken Kindern" einen schnelleren Check in zu erzwingen. Das war auch gut so, denn sonst säßen wir heute noch da. Die Maschine war nämlich "completely overbooked". D.h., 3 Plätze waren noch frei, einer muss leider da bleiben. Stefan wollte sich bereitwillig spontan opfern. In Martinique bleiben und auch noch einen Freiflug in die Karibik bekommen. Monis Blick allerdings lies ihn von seiner Idee Abstand nehmen. Nach einer kurzen Wartezeit (gefühlte Ewigkeit), das Boarding hatte bereits begonnen und wir immer noch keinen Sitzplatz in der Maschine, erbarmte sich dann doch irgendein Passagier, wahrscheinlich saß er schon angeschnallt auf seinem Sitz, und überlies uns den letzten 4 ten Platz zur gemeinsamen Heimreise. Der Rest war dann eine Kaffeefahrt und wider Erwarten konnten wir in München tatsächlich auch alle Gepäckstücke in Empfang nehmen. Air France sei Dank! Nach 17 Stunden Reise saßen wir dann Abends über einer leckeren Pizza (Parma & Ruccola, Quattro formaggi, Prosciutto und Margherita) und gedenkten bei einem mitgebrachten Piton der 3 braunen Schneeflocken auf St. Lucia.
Wallilabasilbyebye und weiterhin Mast und Schotbruch
diemagers
Dienstag, 11. Januar 2011
Logbucheintrag, 10.01.2011: "Happy hour"
An der derzeitig geplanten Weiterfahrt nach Martinique, St. Pierre, am Mittwoch, hindert uns jetzt nur noch der hier anhaltende Starkwind mit 3 Meter hohen Wellen.
Ein oder zwei Tage länger hier zu verweilen, ist auch nicht so schlecht, da hier die Cocktails zur "Happy Hour" zudem auch noch überaus lecker und die Seglerbekanntschaften auch recht aufgeschlossen sind.
Einzig Luis darbt ein bisschen, da er den Bar-Pool nicht mehr so nutzen kann: Er hat eine Mittelohrentzündung - wohl zuviel getaucht in letzter Zeit.
Sonntag, 9. Januar 2011
Logbucheintrag, 06.01.2011: Happy Birthday, Luis !
Die Strömung ist so stark, dass sie nicht über das Riff hinweg kommen, so tauchen sie kurz vor dem Riff ab und gründeln bei 2 Meter Wassertiefe: Es tümmeln sich Papageienfische, ein paar Schwärme, aber die "Highlights" eines berühmten Aussenriffs bleiben ihnen verwehrt.
Moni & Esther können zwischenzeitlich von einem "Boat Boy" die Biervorräte kurzfristig ein bisschen nachfüllen, so dass auf die abgekämpften Taucher nach ihrer Rückkehr wenigstens ein kaltes Bier auf sie wartet.
Die Snowflake-Crew geniesst einen wundervollen Badetag und lässt den Abend mit einem Redsnapper-Menü ausklingen.
Am nächsten Tag heissts Abschiednehmen von den Meeresschildkröten und den Tobago Cays wieder Richtung Norden.
Obwohl es nur 17 sm sind, brauchen wir über 8 Stunden hart am Wind aufkreuzend, um die Nobelinsel Mustique zu erreichen.
Bei Dunkelheit erreichen wir die Bucht. Beim Nachlesen der Ansteuerung wird uns klar: Das ist nicht ganz einfach. An der nördlichen Riffkante liegen bereits die Überreste des französischen Luxusliners "Antilles", der auf das Riff auflief und völlig ausbrannte. Nur durch eine konstatierte Rettungsaktion der umliegenden grenadinischen Inseln wurden alle Passagiere und die Mannschaft gerettet. Diese Zeitgeschichte wollen wir nicht wiederholen. Das heisst für uns: Augen weit auf, da wir wegen des steilabfallenden Meeresboden sehr nah am Riff und am Land ankern müssen. Die Fahrwassertonnen sind nicht beleuchtet und nur schwer auszumachen. Nach 3 Ankermanövern haben wir es geschafft, wir sind fest !
Am Morgen des 6.1. feiern wir Luis' 6. Geburtstag ! Statt Kuchen gibsts Pfannkuchen von Ludwig, die obligatorische Geburtstagskrone gebastelt von Amelie und Max und sogar Geschenke aus Bruckmühl ! Herzlichen Dank dafür !
In Mustique trifft sich die "Barfuß-Eleganz" der Insel mit den Yachties in der "Basils' Bar". Mick Jagger ist auf der Insel, nimmt aber seinen Sundowner wohl auf seiner Privatterasse, so warten wir eben auf David Bowie.
Am Spätnachmittag holen wir den Anker auf, um die Nachtfahrt nach St. Lucia anzutreten.
Hart am Wind erkämpft sich Snowflake jeden Meter Richtung Norden. Die Nachtwache hat viel zu tun, mal viel Wind, Reff rein, kaum ist das Reff drin, Wind lässt nach, Reff wieder raus. Ludwig macht kein Auge zu. An Bequier kommen wir luvseitig vorbei, für St. Vincent reicht es nicht: Wir müssen im Lee bei wenig Wind zur St. Vincent Passage. Da blästs dann aber ordentlich: Snowflake stampft sich durch die Wellen. Gegen Mittag nach 20 Stunden erreichen wir die Rodney Bay auf St. Lucia. Die 7-köpfige Crew schlägt sich wacker durch die stockdunkle, böige Nacht !
Jetzt heisst es für die Magers' irgendwie nach Martinique zu gelangen, um den Flieger nach Paris/München zu bekommen.
Oh Schreck: Samstags verkehren keine Fähren !
Stefan tut "Gilbert" auf, der mit seinem 3X300 PS Aussenborder-Boot-Taxi in angeblichen 50 Minuten von St. Lucia nach Martinique "fliegt". Währenddessen machen Moni und Esther auf Snowflake "klar Schiff": Liebe Moni, vielen Dank für Deinen unermüdlichen Einsatz !
Bei "Gilbert" passiert Folgendes: Die Passagiere werden in gelbe Schlechtwetterkleidung gepackt, "Gilbert" empfiehlt den Magers' wegen der harten Schläge die hintere von 4 Sitzreihen. Das Gepäck wird wasserdicht in den Bugschapp verstaut.
Uns bleibt nur noch eine herzliche Verabschiedung und ein Winken, bis das Motorboot schnurrend die Rodney Bay verlässt. Das Aufheulen des 900PS-Monsters können wir leider nicht mer sehen. Schade, dass wir Maxs' verzueckten Gesichtsausdruck, der bei einem 75PS-Motor schon umwerfend war, nicht miterleben dürfen. Wir wünschen Euch eine gute Heimreise ! Es ware 2 paradiesische Wochen mit Euch !