Donnerstag, 2. Dezember 2010

Logbucheintrag, Donnerstag, 02.12.2010 "Es gibt wieder Fisch"

Das Tief ist durch, die Angel wieder ausgelegt, wenig später das Abendessen am Haken. Das Timing könnte besser nicht sein, 90 Minuten nachdem unsere Dorade angebissen hat, kommt sie fertig gegart auf den Tisch. Frischer gehts wirklich nicht.

Zur Unterhaltung trägt diesmal eine Grindwalfamilie bei, die uns eine Stunde lang begleitet. Ein angenehm ruhiger Tag nach dem Gebolze die Tage zuvor. Die Nacht verläuft ruhig, der Schwell hat nachgelassen, für den kommenden Tag ist "Klar Schiff" angesagt. Verdorbene Lebensmittel entsorgen, Bilgen entwässern, feuchte Polster und Ausrüstung trocknen und der übliche Haushaltskram. Am Nachmittag sieht Snowflake wieder ganz wohnlich aus, nur der Wind fehlt.

Unser Ziel ist es zügig den 18. Breitengrad zu erreichen. Hier erwarten wir für die nächsten Tage günstigen Wind. Das aufziehende nächste Tief dürfte uns hier Übermorgen auch nur mit seinem Ausläufer am Rand streifen. Mal sehen, ob die Meteorologen Recht behalten, andernfalls wirds wohl wieder etwas hackig.

Der mit dem Tief einhergehende Schwachwind und der anschließend über Süd, Südwest, West drehende Wind wirft uns etwas im Zeitplan zurück. Wir hoffen, daß sich nach der nächsten Störung nun doch endlich einmal beständiger Passatwind durchsetzt um die verlorene Zeit wieder aufholen zu können.

Dienstag, 30. November 2010

Logbucheintrag, Montag, 29.11.2010 "Gegenan"

seit gut 50 Stunden ist es vorbei mit der Gemütlichkeit. Der Wind bläst uns seither mit bis zu 55 Stundenkilometern ins Gesicht. Ziemlich genau aus der Richtung in die wir eigentlich hinwollen. Das haben wir nicht gebucht. Die Wellen werden immer größer, Snowflake stampft sich im wahrsten Sinne des Wortes gen Westen. Schubladen fliegen auf, alles was nicht niet- und nagelfest ist fliegt durch die Gegend. In den Kojen fühlt es sich an wie im Innern eines Boxsacks. Die Wellen schmettern wie Faustschläge gegen die Rümpfe, das ganze Schiff vibriert. Dirks Bandcheiben haben sich deswegen schon beschwert. Der Laptop kann wegen der harten Stöße nur noch mit untergelegtem Kissen benutzt werden. Geregelte Mahlzeiten fallen im Moment aus. Schnelle Küche ist angesagt. Heute gegen Mittag ging es dann auch noch direkt auf eine dunkle Wolkenwand zu. Der Wind frischt noch mehr auf. Wir entschliessen uns nach Süden auszuweichen. Den Südkurs können wir aber leider nicht halten. Snowflakes Wendewinkel ist zu groß. Maarten entdeckt eine Wolkenlücke, auf die wir bei neuerlichem Westkurs treffen könnten. Wir haben Glück und bleiben tatsächlich vom Regen erst einmal verschont. Es geht also wie gehabt, wenn auch etwas beschwerlich, aber immerhin in die richtige Richtung. Die Angel bleibt übrigens erstmal auch verstaut. Es findet sich im Moment kein Koch für den Fisch ;-)

Samstag, 27. November 2010

Logbucheintrag: Entschleunigt

Der Tag fing bereits sehr ruhig mit 0 Wind und minimalem Wellengang an.
Beim Wachwechsel entschieden dann Maarten und Dirk um 0600 Uhr den Motor mangels Vortrieb zu nutzen.
Das Motoren blieb dann auch für den Rest des Tages die bevorzugte Fortbewegungsmethode, nachdem die zurückgelegte Strecke der letzten 12 Stunden doch deutlich zu wünschen übrig ließ.
Die Vorhersage läßt hoffen.
Insgesamt war heute komplette Entschleunigung angesagt und der Tag wurde "ausnahmsweise" mit Lesen und "Delphinwatching" verbracht.
Aber nach ernüchterndem Wind war uns auch die bei idealen Filmwetterbedingungen ersehnte Delphinshow nicht gegönnt und eine große Gruppe Backbord voraus zeigte Starallüren und kam nicht näher als 300 Meter heran.
Man kann nicht alles haben dachten auch die großen Raubfische und zeigten unserer Angel die kalte Schulter.
Ein rundum toller Tag also bei allerdings sehr angenehmen 27 Grad.

Logbucheintrag, Freitag, 26.11.2010 "Bordalltag"

Routine ist eingekehrt. Abwechselnd Nachtwachen von 22:00 - 02:00, dann die Hundewache von 02:00 bis 06:00, der Dritte übernimmt von 06:00 bis der Rest der Mannschaft wieder wach ist. Die Morgenwache bringt die Angel im ersten Morgenlicht aus. Nachts bleibt die Angel drin. Wer weiss was da anbeißt, das will man doch vielleicht nicht unbedingt an Bord haben.

Gestern gabs die erste Dorade. Stattliche 90 Zentimeter. Der Fisch hat mehrmals die Farbe gewechselt und sich im wahrsten Sinne des Wortes grün und blau geärgert. Nachdem wir ihn in gemeinsamer Arbeit an Bord gehievt haben, konnten wir ihn schnell mit dem bereitgestelltem Wodka beruhigen. Allem Anschein nach ist er sanft entschlafen. Das Ausweiden und filetieren gestaltete sich Anfangs mit dem Leatherman etwas schwierig. Nachdem Dirk das große Küchenmesser gewetzt hatte, gings besser. Abends gabs dann in Weißwein, Karotten und Kartoffeln gedünstete Doradenfilets. Die Reste wurden am nächsten Tag zu Mittag als Fischsuppe verwertet.

Heute ist Angelfreier Tag. D.h. wir müssen 3 Stunden mehr die Zeit totschlagen - so lange dauert es etwa, bis der Fisch am Haken an Bord gehievt, mit Wodka narkotisiert, eingeschläfert, zerlegt und anschließend zubereitet ist.

Maarten nutzt jede freie Minute zum lesen, Dirk hat sich als Tagesaufgabe das versetzen des Solarpanels mit der Sonne gestellt und Ludwig spannt die 8m hohe Antenne ab, damit sie nicht jeden Tag eingeholt werden muß.

Unser Wxman Ralph versorgt uns laufend mit aktuellen Wetterinformationen und Routenempfehlungen zu den Ausläufern des Tiefdruckgebiets SW der Azoren, welches uns Anfang nächster Woche 7m hohe Wellen bringen soll. Wir überlegen wie wir am schnellsten zu etwas mehr und günstigeren Winden gelangen können. Der Passat läßt uns noch im Stich und wir können immer noch nicht auf Zielkurs gehen. Unser Kursspielraum ist gerade mal 30 Grad, die Diskussionen um die Ideallinie gestalten sich daher relativ einfach. Es geht erstmal weiter SSW.

Mittwoch, 24. November 2010

Logbucheintrag, Mittwoch, 24.11.2010 "Der erste Fisch"

A report in English while writing German is slightly above Maarten's level ;)

The third day on the water. After a great night where the spinnaker stood all night (just...) the Fishing rod was thrown out at sunrise. Not much later it was all hands on deck because we had caught our first fish.

Dirk took the rod and we saw something jumping in the distance. Ludwig and Maarten quickly took down the spinnaker. After a short struggle the pulling in became lighter. The first caught fish, a 50 cm Makrel, had pulled itself dead on the rope. The first suicidal fish in history ;). He tasted well for lunch.

All day we had great winds large parts with only the Genua and Main sail. From position reports received from Ralph we know that we are slightly behind the ARC and have the Lola a little in front of us but more Easterly.

On to the first night with Passat winds.

Dienstag, 23. November 2010

Logbucheintrag, Dienstag, 23.11.2010 "Woher weht der Wind ?"

der erste Tag Richtung Barbados unter idealen Bedingungen verlief problemlos. Alle sind noch hoch motiviert, Segelstellungen werden laufend optimiert, gespült wird auch noch fleissig. Mal sehen wie das in einer Woche aussieht. Die Angel ist montiert, Lasso und Wodka stehen für den ersten Thunfisch bereit.

Übermorgen ist auf der Passatroute Westwind angesagt. Die Taktik lautet nun: Haken schlagen. Erstmal noch ein Stück gen Süden um in den Bereich des etwas stärkeren NO Wind zu kommen, dann vorzeitig Westkurs um bei eintreffen des vorhergesagten Westwinds noch genügend Raum nach Süden in die beste Zone des Passatgürtels zu haben. Ob die Rechnung wohl so aufgeht ?

Sonntag, 21. November 2010

Logbucheintrag, Sonntag, den 21.11.10 25th ARC Impressions

Die Crew ist komplett, mußten dann aber leider feststellen das wir auf dem Seelenverkäufer angeheuert haben. Mangels Alternative und langhaariegen Mitbewerbern bissen wir dann doch in den sauren Apfel und gaben Alles um "Snowflake" klar zu machen. Nach etlichen spanischen 5 Minuten verloren wir die Nerven und Maarten hat sich heldenhaft ins Zeug gelegt um den Windmesser in luftiger Höhe neu zu montieren (trotz seines 30igsten)!!!
Der Regattastart war sehr beeindruckend mit 230 Booten und einem starken Gerangel um aus dem Hafen zu kommen.
Wir haben uns zu einem gemütlichen Start am nächsten Tag entschieden um dann um so stärker aufzuholen.
Das Bunkern hat 2 Tage gedauert, 7 volle Einkaufswagen sprechen eine eigene Sprache. Auf Fleisch wurde mit Blick auf die excellenten Angelaussichten verzichtet.
Der Skipper der Deana hat uns Amateueren hinreichend für das eigene Selbstvertrauen erklärt wie einfach es sein wird den 2 Meter Tunfisch mithilfe einer neu erstandenen Angelausrüstung, 1 Flasche Wodka und einem Lasso zu erlegen, in das Cockpit zu befördern und ohne Streß sanft einschlafen zu lassen. Ein Schelm wer das nicht glaubt. Wir werden weiter berichten, Notfallausrüstung ist ausreichend an Bord.
Seht dies als letzten Eintrag mit festem Boden unter den Füßen und guter Laune bevor der Ernst des Segelns/Angelns beginnt.
Besonders möchten wir Helga, Anna und Sophie, sowie Celine auf diesem für kurze Zeit leicht neu gestaltetem Forum begrüßen bevor wir dann von der eigentlichen Besatzung in der Karibik wieder rausgeschmissen werden.
Ralf nur für deine Info, uns gehts gut.