Samstag, 27. November 2010

Logbucheintrag: Entschleunigt

Der Tag fing bereits sehr ruhig mit 0 Wind und minimalem Wellengang an.
Beim Wachwechsel entschieden dann Maarten und Dirk um 0600 Uhr den Motor mangels Vortrieb zu nutzen.
Das Motoren blieb dann auch für den Rest des Tages die bevorzugte Fortbewegungsmethode, nachdem die zurückgelegte Strecke der letzten 12 Stunden doch deutlich zu wünschen übrig ließ.
Die Vorhersage läßt hoffen.
Insgesamt war heute komplette Entschleunigung angesagt und der Tag wurde "ausnahmsweise" mit Lesen und "Delphinwatching" verbracht.
Aber nach ernüchterndem Wind war uns auch die bei idealen Filmwetterbedingungen ersehnte Delphinshow nicht gegönnt und eine große Gruppe Backbord voraus zeigte Starallüren und kam nicht näher als 300 Meter heran.
Man kann nicht alles haben dachten auch die großen Raubfische und zeigten unserer Angel die kalte Schulter.
Ein rundum toller Tag also bei allerdings sehr angenehmen 27 Grad.

Logbucheintrag, Freitag, 26.11.2010 "Bordalltag"

Routine ist eingekehrt. Abwechselnd Nachtwachen von 22:00 - 02:00, dann die Hundewache von 02:00 bis 06:00, der Dritte übernimmt von 06:00 bis der Rest der Mannschaft wieder wach ist. Die Morgenwache bringt die Angel im ersten Morgenlicht aus. Nachts bleibt die Angel drin. Wer weiss was da anbeißt, das will man doch vielleicht nicht unbedingt an Bord haben.

Gestern gabs die erste Dorade. Stattliche 90 Zentimeter. Der Fisch hat mehrmals die Farbe gewechselt und sich im wahrsten Sinne des Wortes grün und blau geärgert. Nachdem wir ihn in gemeinsamer Arbeit an Bord gehievt haben, konnten wir ihn schnell mit dem bereitgestelltem Wodka beruhigen. Allem Anschein nach ist er sanft entschlafen. Das Ausweiden und filetieren gestaltete sich Anfangs mit dem Leatherman etwas schwierig. Nachdem Dirk das große Küchenmesser gewetzt hatte, gings besser. Abends gabs dann in Weißwein, Karotten und Kartoffeln gedünstete Doradenfilets. Die Reste wurden am nächsten Tag zu Mittag als Fischsuppe verwertet.

Heute ist Angelfreier Tag. D.h. wir müssen 3 Stunden mehr die Zeit totschlagen - so lange dauert es etwa, bis der Fisch am Haken an Bord gehievt, mit Wodka narkotisiert, eingeschläfert, zerlegt und anschließend zubereitet ist.

Maarten nutzt jede freie Minute zum lesen, Dirk hat sich als Tagesaufgabe das versetzen des Solarpanels mit der Sonne gestellt und Ludwig spannt die 8m hohe Antenne ab, damit sie nicht jeden Tag eingeholt werden muß.

Unser Wxman Ralph versorgt uns laufend mit aktuellen Wetterinformationen und Routenempfehlungen zu den Ausläufern des Tiefdruckgebiets SW der Azoren, welches uns Anfang nächster Woche 7m hohe Wellen bringen soll. Wir überlegen wie wir am schnellsten zu etwas mehr und günstigeren Winden gelangen können. Der Passat läßt uns noch im Stich und wir können immer noch nicht auf Zielkurs gehen. Unser Kursspielraum ist gerade mal 30 Grad, die Diskussionen um die Ideallinie gestalten sich daher relativ einfach. Es geht erstmal weiter SSW.

Mittwoch, 24. November 2010

Logbucheintrag, Mittwoch, 24.11.2010 "Der erste Fisch"

A report in English while writing German is slightly above Maarten's level ;)

The third day on the water. After a great night where the spinnaker stood all night (just...) the Fishing rod was thrown out at sunrise. Not much later it was all hands on deck because we had caught our first fish.

Dirk took the rod and we saw something jumping in the distance. Ludwig and Maarten quickly took down the spinnaker. After a short struggle the pulling in became lighter. The first caught fish, a 50 cm Makrel, had pulled itself dead on the rope. The first suicidal fish in history ;). He tasted well for lunch.

All day we had great winds large parts with only the Genua and Main sail. From position reports received from Ralph we know that we are slightly behind the ARC and have the Lola a little in front of us but more Easterly.

On to the first night with Passat winds.

Dienstag, 23. November 2010

Logbucheintrag, Dienstag, 23.11.2010 "Woher weht der Wind ?"

der erste Tag Richtung Barbados unter idealen Bedingungen verlief problemlos. Alle sind noch hoch motiviert, Segelstellungen werden laufend optimiert, gespült wird auch noch fleissig. Mal sehen wie das in einer Woche aussieht. Die Angel ist montiert, Lasso und Wodka stehen für den ersten Thunfisch bereit.

Übermorgen ist auf der Passatroute Westwind angesagt. Die Taktik lautet nun: Haken schlagen. Erstmal noch ein Stück gen Süden um in den Bereich des etwas stärkeren NO Wind zu kommen, dann vorzeitig Westkurs um bei eintreffen des vorhergesagten Westwinds noch genügend Raum nach Süden in die beste Zone des Passatgürtels zu haben. Ob die Rechnung wohl so aufgeht ?

Sonntag, 21. November 2010

Logbucheintrag, Sonntag, den 21.11.10 25th ARC Impressions

Die Crew ist komplett, mußten dann aber leider feststellen das wir auf dem Seelenverkäufer angeheuert haben. Mangels Alternative und langhaariegen Mitbewerbern bissen wir dann doch in den sauren Apfel und gaben Alles um "Snowflake" klar zu machen. Nach etlichen spanischen 5 Minuten verloren wir die Nerven und Maarten hat sich heldenhaft ins Zeug gelegt um den Windmesser in luftiger Höhe neu zu montieren (trotz seines 30igsten)!!!
Der Regattastart war sehr beeindruckend mit 230 Booten und einem starken Gerangel um aus dem Hafen zu kommen.
Wir haben uns zu einem gemütlichen Start am nächsten Tag entschieden um dann um so stärker aufzuholen.
Das Bunkern hat 2 Tage gedauert, 7 volle Einkaufswagen sprechen eine eigene Sprache. Auf Fleisch wurde mit Blick auf die excellenten Angelaussichten verzichtet.
Der Skipper der Deana hat uns Amateueren hinreichend für das eigene Selbstvertrauen erklärt wie einfach es sein wird den 2 Meter Tunfisch mithilfe einer neu erstandenen Angelausrüstung, 1 Flasche Wodka und einem Lasso zu erlegen, in das Cockpit zu befördern und ohne Streß sanft einschlafen zu lassen. Ein Schelm wer das nicht glaubt. Wir werden weiter berichten, Notfallausrüstung ist ausreichend an Bord.
Seht dies als letzten Eintrag mit festem Boden unter den Füßen und guter Laune bevor der Ernst des Segelns/Angelns beginnt.
Besonders möchten wir Helga, Anna und Sophie, sowie Celine auf diesem für kurze Zeit leicht neu gestaltetem Forum begrüßen bevor wir dann von der eigentlichen Besatzung in der Karibik wieder rausgeschmissen werden.
Ralf nur für deine Info, uns gehts gut.

Mittwoch, 17. November 2010

Logbucheintrag, 16.11.2010: "Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben"

Am Montag gegen 11 Uhr fahren wir bei viel Wind und leichtem Regen in den Hafen von Las Palmas ein.
Wir haben es geschafft ! Die allerletzte Bierdose öffnen wir freudig schon vor dem Anlegen, wir sind ja eigentlich schon "drin".
Esther sagt noch "Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben", wir sehen uns fassungslos an, als plötzlich ein Motor - und es ist nicht der, der uns die ganze Mittelmeerreise geärgert hat, ausfällt. Wir haben viel Wind, Anlegen mit einem Motor ist mit einem Kat immer spannend!
Doch die Marina ist wegen der ARC sowieso voll, so dass wir übermüdet einige Ankermanöver brauchen, um "fest" zu sein.
Wir liegen also außerhalb der Marina, mit dem Dinghi ca. 20 Minuten vom Land entfernt. Denkbar ungünstig, um "Snowflake" für die Transatlantkik klar zu machen ! Einige ungeplante Reparaturen sind fällig und vor allem das bunkern mit dem Dinghi für 3 Crew Member für 20 Tage ist kein Spass ! Wir denken da mal nur so an das Trinkwasser: 150 Liter in Plastikflaschen vom Supermarkt mit dem Dinghi zu transportieren? Je 75 Portionen Frühstück, Mittag- und Abendessen ? Ein paar Bier sollen ja auch noch dabei sein, auch wenn es nur ein Ablege- und evtl. 2 Anlegebiere gibt (Las Palmas - Barbados, St. Lucia).
Vor allem: Der Service, Mechaniker, Riggfachleute, Elektriker kommen nicht auf ein Schiff, das vor Anker liegt.
Nur, wie jetzt bei dem Trubel einen Liegeplatz ergattern ohne aktiver ARC-Teilnehmer zu sein ?
Ludwig stört das nicht: Bei Schwell klettert er den 13,60 Meter hohen Mast hinauf, Esther sichert und kuckt nicht nach oben. Das Spi-Fall klemmt unten im Mast, das Genua-Fall muß für die Überquerung ausgewechselt werden !
Wir setzen alle Hebel in Bewegung und - wir glauben es kaum - der "Hafenmeister" ruft "joder", ist uns aber wohlgesinnt und besorgt uns einen Liegeplatz zwischen der "Creme de la creme" der teilnehmenden Regattajachten. Erstmal für 2 Tage ! Wir sind "drin" !!!!
Die Termine mit den Fachleuten sind "eingetütet", mehr können wir momentan nicht tun ! Besser gehts nicht !
Alle Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und wir sind bester Dinge, "Snowflake" in den nächsten Tagen "klar" zu kriegen, sofern keine unerwarteten Verzögerungen seitens des Mechanikers und des Segelmachers (der Spi muss geflickt werden !) eintreten.
Was das Wetter und vor allem den Wind angeht, das liegt nicht in unserer Hand !

In der Marina Las Palmas liegt was in der Luft ! Die Atmosphäre hier ist wirklich was Besonderes ! 300 Liegeplätze sind für die Teilnehmer der Atlantik-Ralley 2010 reserviert. Soviele Masten gedrängt auf engstem Raum haben wir noch nicht gesehen ! Die Schiffe sind bis oben hin "beflaggt", die Crews sind aufgeregt und mit den Vorbereitungen für die Überfahrt emsig beschäftigt. Heute fragten 2 Mädchen an, ob sie mit uns und "Snowflake" mitfahren können - "Hand gegen Koje".
Viele suchen hier einen "lift" in die Karibik für wenig Geld ! Überall hängen Bewerbungen aus und Bewerbungsgespräche werden in den Hafenkneipen geführt. Einzelne Schiffe haben schon Plakate mit der Aufschrift "Crew is complete".
Die Leute hier sind wahnsinnig nett und zuvorkommend: Sei es in den Kneipen, Läden etc.
Es herrscht überall freudige Aufbruchsstimmung und gegenseitige Hilfsbereitschaft ! Eine tolle Stimmung !

In der "Lavanderia" ist was los! Wir selbst haben 30kg Wäsche zu waschen und zu trocknen, da muss unser Backofen doch unterstützend die eine oder andere dringend benötigte frische Socke trocknen. ;-)

Montag, 15. November 2010

Logbucheintrag, Montag, 15.11.2010, "Hell erleuchtet liegt Las Palmas vor uns"

Wir haben es fast geschafft ! 500sm, 5 Tage und Nächte liegen hinter uns, wir haben den Atlantik kennengelernt: Bei Sturm mit fast 6 Meter hohen Wellen, bei raumen Kurs in "Rauschefahrt" mit 7-9knts und bei Flaute, 25 Grad, klarstes, tiefblaues Wasser und Delfinen zum fast anfassen.
Unsere frischen Vorräte sind aufgebraucht. Morgen zum Frühstück gibts nur noch Zwieback und Rum, nein Tee, oder Tee mit Rum ? :-)
Noch 20sm, d.h. ca. 5 Stunden, und wir erreichen gegen 11 Uhr Las Palmas auf Gran Canaria !
Die letzten Nachtwachestunden sind bei 21,6 Grad sehr angenehm, kein Wind, keine Welle, wir motoren.
In den frühen Morgenstunden erwarten wir 3,4 bft Wind, hoffentlich, dann können wir nochmal ein paar Stunden richtig segeln - Esther und Luis sind schon wehmütig, wenn sie am 21.11. "Snowflake" verlassen müssen und auch ihren "Kapitän" - schnief ! Nur Schoko wird Luftsprünge machen, endlich wieder Land unter ihren Füßen zu haben !
Wir hoffen, einen Liegeplatz in der Marina Las Palmas ergattern zu können.
Die nächsten Tage gibt es noch allerhand zu tun. Die Vorbereitungen für den Start der Atlantiküberquerung im Rahmen der ARC am Sonntag, 21.11., werden sofort auf Hochtouren laufen ! "Snowflake" klar machen !
Die neue Crew, Dirk und Maarten, werden schon freudig erwartet !