Am 13.03.2011 gegen 10Uhr starten wir den zweiten Versuch, die jetzt immer noch 130sm nach St. Kitts zurückzulegen.
Der Wind ist immer noch gegen uns, die weiteren Vorhersagen ändern sich nicht, so entschliessen wir uns, es zu tun:
Mit Motorunterstützung kneifen wir hart an der Windkante. Noch sind wir im Lee und somit geschützt durch die Insel St. Croix vor dem offenen Meer und den hohen Wellen. Nur noch 18sm bis zum "Bull Riding". Dann beginnt tatsächlich eine Überfahrt, die wir so wirklich nicht gebucht haben, sagt die Crew. Es gibt erste Beschwerden nach dem Abendessen. Mich schleudert die kostbaren Nudeln mit Pesto über Bord. Er übernimmt pflichtbewusst die Reinigung.
Ehrlich gesagt, ist spätestens seit dem Kochen, sogar dem Käptn nach dem Abspülen nicht mehr ganz wohl im Bauch.
Nach der Sicherheitseinweisung der Crew (Wo ist die Rettungsinsel ?, Wie funktionieren die Schwimmwesten und wo muss ich mich einhaken?) beginnt die Nachtfahrt.
Die Nachtwachen werden eingeteilt und es wird langsam stille auf Snowflake.
Kaum ist es dunkel, frischt der Wind auf und das erste Reff in das Grosssegel muss rein.
Alfred muss an der "Life Line" zum Mast, Albert leuchtet und Ludwig gibt die Kommandos, die Crew spurt. Die Genua muss ebensfalls verkleinert werden. Dann gehts weiter durch die Nacht, es rumpelt und pumpelt und man kann nicht eine Sekunde ohne Festhalten stehen.
Albert, Alfred und Mich übernehmen die Wache von 01:00 - 04:00 Uhr, was in dieser Zeit genau passiert ist, wissen nur die 3! Seltsame Geräusche sind zu hören, jedoch für den Skipper nichts Beunruhigendes. Von 04:00 - 06:30 Uhr ist Esther dran mit Alfred in "Bereitschaft".
Dunkle Wolken ziehen auf, der Wind nimmt zu, wir machen flotte Fahrt, bis der Skipper an Deck erscheint. Er zieht gleich die Bremse und schlaftrunken gehts an die Arbeit: Ein zweites Reff in die Genua, die Grossschot aufgefiert und den Kurs korrigiert.
Die Seemeilen werden einfach nicht weniger...obwohl die Lichter von St. Kitts bereits leuchten.
Der Wind bläst so gegen an, dass wir einfach nicht vorwärts kommen !
Regen zieht heran, der Wind dreht noch weiter gegen uns, die Crew ist am verzweifeln.
Ein Wendemanöver verschafft uns kurz ein bisschen Höhe, um St. Kitts überhaupt noch treffen zu können.
Wir diskutieren mögliche Alternativen, wo wir denn sonst noch hinsegeln könnten, doch zu den ABC-Inseln ? Sind aber 400sm und eigentlich will da keiner hin.
Also die Crew beweist Standhaftigkeit und festen Willen, wir geben nicht auf !
Delfine, die kurz Snowflake begleiten muntern uns alle auf !
Nach dem "Brunch" verlässt Albert die Koje nicht mehr: Schlafen bis wir da sind !
Trotz des widrigen Windes haben wir St. Kitts nur um 6sm verfehlt, die wir dann unter Motor uns zurückkämpfen.
Gegen 17 Uhr erreichen wir Sandy Point Town auf St. Kitts, mit der Hoffnung noch ein Abendessen in einem Restaurant zu bekommen. Wir liegen so einsam in der Bucht und der Skipper vertraut der Umgebung nicht, so dass wir die letzten Vorräte, Brot, Salami und Käse verspeisen.
Vorher nehmen Mich und Albert noch ein Bad, um den Schweiss der anstrengenden Überfahrt abzuspülen.
So: Die Dramatik nimmt nun beinahe ein Ende !
Nach einer ruhigen Nacht und dem Morgenbad ist die Tortur schon wieder vergessen.
Wir segeln nach Basseterre und wollen in die Marina, um einzuklarieren.
Das Anlegemanöver ist spektakulär:
In der Marina selbst gibt es keinen Liegeplatz und wir werden an die Aussenkaimauer verwiesen.
Die ist gerade mal schlappe 4Meter hoch, d.h. einer, das ist Alfred, muss 2 Meter über die Reling an Land hochspringen, während der Anfahrt ! Esther ruft nur noch: "Das geht nicht !"
Ludwigs' Antwort: "Es muss gehen!" Und Alfred machts möglich ! Er fängt die zugeworfenen Festmacher am Bug und Achtern und macht Snowflake fest.
Der Skipper spricht sein Lob aus - nach Aufforderung von Albert - zurecht gibts verdientermassen ein Anlegebier.
Wir starten unsere Logistik-Tour: Einklarieren, Wasser tanken, Einkaufen, Internet, Flüge buchen und zwischendurch lassen wir es uns in einem netten Restaurant mitten in der Stadt gut gehen.
Am 16.03. fahren wir zur South Friar's Bay. Eine tolle Bucht mit einer noch tolleren Beach-Bar, in der wir dann in nassen Badesachen mit den Dollars in der wasserdichten Fototasche (ein paar Zigaretten sind auch dabei) sitzen und vorzüglich bis zum Sonnenuntergang vorzüglich speisen.
Da wir im hüfthohen Wasser ankern, ist das perfekt für einen Bade-und-Waschtag.
Morgen früh gehts weiter nach Nevis!
Donnerstag, 17. März 2011
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Liebe Crew, endlich ein neuer Eintrag! Ich dachte schon Ihr hättet keine Kraft mehr übrig nach der anstrengenden Überfahrt! Franz & ich haben die ganze Zeit schon diskutiert, dass es doch schade war, dass wir keine Nachtfahrt hatten – doch nach eurem Bericht finde ich das nicht mehr! Ich hoffe, die Vomex-Reserven haben gereicht! Ich wünsche euch allen nun ein paar Tage ruhige See, ohne große Seen und auch ohne Schwell! Edith
AntwortenLöschenIch staune nur noch über EUch. Wie ergeht es Luis bei den Strapazen? Viele liebe Grüße, z.Zt. aus HH, Kristina
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